( Zum Vergrößern , einfach auf die Bilder klicken )

"Centro Eudcational Sagrada Familia"

Einen kleineren Teil unserer Arbeit umfasst die Arbeit im „Centro Educational Sagrada Familia“, zu welches eine Creche (Kindertagesstätte) sowie eine Grundschule zählt. Insgesamt verbringen hier täglich ca. 150 Kinder ihren Tag. Bis zum Alter von 6 Jahren gehen die Kinder in die Creche. Anders als bei uns sind die Kleinsten hier gerade einmal 4 Monate alt.

Da unsere „Hauptaufgabe“ die Sozialarbeit am Stadtrand ist, verbringen wir wie bereits erwähnt nur einen geringen Teil der Zeit in der Creche, ca. 1 ½ Tage in der Woche. Hier spielen wir vormittags mit den Kleinen oder beschäftigen die Größeren am Nachmittag, wenn unterrichtsfrei ist.

 


Familienbesuche - Mit dem Fahrrad unterwegs in Brasilien

 

Fast täglich machen wir uns auf den Weg, um Familien am Stadtrand zu besuchen.  Der Weg dorthin ist manchmal zwar mühselig - Berg hoch und runter bei gefühlten 35 Grad- sobald wir dann aber bei den Familien angekommen sind, ist die Anstrengung schnell vergessen.  Nach lautem Klatschen und einem freundlichen „Bom dia“ werden wir dann stets herzlich begrüßt. So etwas wie eine Klingel besitzen die Häuser am Stadtrand nämlich nicht.

Wenn wir bei den Familien sind darf eines in unserem Rucksack auf keinen Fall fehlen: Spiele für die Kleinen! Es gibt nichts Schöneres, als die strahlenden Augen der Kinder zu sehen, wenn wir gemeinsam mit ihnen spielen.

Da wir der Meinung sind, dass es schöner ist eine gewisse Beziehung zu den Familien aufzubauen, um eben nicht nur ein „seltener Besuch“ zu bleiben, besuchen wir einige Familien regelmäßig.

Z.B. donnerstagmorgens. Dort besuchen wir den kleinen Moses. Moses ist 7 Jahre alt und sowohl körperlich als auch geistig behindert. Trotz seiner Behinderung ist er aber ein unglaublich lebensfroher begeisterter kleiner Mann. Mit seinen Fingern will er uns alles zeigen, eher gesagt auf diese Art unterhält er sich mit uns.

Außerdem besuchen wir regelmäßig Marianna. Marianna ist gerade 13 Jahre alt geworden und  seit ca. einem halben Jahr wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Sie hat einen Tumor im Kopf. Zur Schule geht sie kaum noch, denn dazu fehlt meist die Kraft. Von ihren Freundinnen  wird sie kaum noch besucht, da diese denken, der Krebs sei ansteckend. Das zeigt wiederum, dass die Aufklärung und das Wissen über die Krankheit bei Vielen fehlt. Um ihr ein wenig Freude zu bereiten und zu sehen, wie es ihr und ihrer Familie geht, besuchen wir Marianna jeden Freitag. Wir spielen Uno, Memory, Halli Galli oder machen Sachen, die Mädchen einfach gerne mögen, wie z.B. Armbänder machen oder Nägel lackieren.   

Wir können den Familien, die wir besuchen, keineswegs ihre Nöte und Sorgen nehmen, aber wir können sie begleiten, ihnen zuhören, dafür sorgen, dass sie sich wertgeschätzt und wahrgenommen fühlen. Und dass sie sich über unseren Besuch freuen ist offensichtlich.

 

Natürlich gibt es auch solche Momente , in denen einem die Worte fehlen, man nicht weiß was man sagen soll. Die Lebenssituationen sind hier nicht so, wie wir es gewohnt sind. Viele Menschen leben auf engstem Raum. Das Bett wird sich zu dritt geteilt, weil entweder der Platz und/oder das Geld fehlt. Der Regen, der auf der einen Seite so dringend benötigt wird, bringt viele Familien gleichzeitig zum Verzweifeln. Denn viele Häuser sind undicht und es regnet hinein. Schränke, Anziehsachen, Betten werden nass.

 

Eine Familie, die wir zum Beispiel regelmäßig besuchen ist die Familie von A. Hier leben 11 Personen unter einem Dach, die Kinder im Alter von 20-2 Jahre. Nur der Vater arbeitet auf der Orangenplantage und hat ein ganz geringes Einkommen. Als wir einmal da waren, bat uns die Mutter erst beim Weggehen um etwas zu Essen. Sie zeigte uns die leeren Schränke und sagte, dass sie Heute noch nichts gegessen haben. Wir sahen, dass sie Tränen in den Augen hatte und gleichzeitig sich schämte uns um Hilfe zu bitten. Die Kinder waren aus der Schule nach Hause gekommen und haben gesagt „Mama, ich habe Hunger“ und sie konnte ihnen nichts geben.

 

Ebenso geschockt, hat uns eine traurige Nachricht von einem Jugendlichen,der zu unseren Patenfamilien gehört. Er wurde wegen Drogendelikten verhaftet und in den Jugendvollzug gebracht. Die alleinerziehende Mutter (mit weiteren 4 Kindern) ist außer sich. Immer, wenn wir am Haus dieser Familie vorbei gekommen sind, haben wir den 18 Jährigen mit anderen Jugendlichen zusammen auf der Straße „herumlungern“ sehen. Die Langeweile, das Leben auf der Straße, keine Aufgabe zu haben, ist so gefährlich! Die Gefahr in dieser Zeit auf die schiefe Bahn zu geraten, mit Drogen in Kontakt zu kommen oder als Mädchen früh Mutter zu werden, umso größer.

 

Anders als bei uns in Deutschland folgt nämlich für die Jugendlichen nach Beendigung der Schule in den allermeisten Fällen nichts.Sie sitzen zu Hause oder verbringen ihren Tag auf den Straßen. Das ist so schade,weil man bei so vielen Jugendlichen merkt, dass sie das Potential hätten und auch den Wunsch, arbeiten und Geld verdienen zu können. Für die Mädchen und Jungen aus den Armenvierteln ist es jedoch so viel schwieriger, sich auf eine gute berufliche Zukunft und damit auf ein besseres Leben als das ihrer Eltern vorzubereiten. Nur wenige können sich ein Studium in der nächstgrößeren Stadt leisten. Die Familien sind sehr arm und können ihre Kinder weder finanziell noch ideell unterstützen. Daneben ist durch die politische und wirtschaftliche Krise die Situation auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit generell sehr schwierig. Viele Betriebe haben geschlossen und die Arbeitslosigkeit steigt, so dass die Chancen für Jugendliche noch geringer sind. Deshalb hat auch SMMP es sich zur Aufgabe gemacht, die Bildung der jungen Erwachsenen zu fördern und sie zu unterstützen .Denn Bildung ist die einzige Chance, irgendwann der Armut zu entkommen und einen richtigen Beruf zu erlernen, um nicht für kleines Geld auf der Plantage arbeiten zu müssen oder z.B. Steckdosen zusammen zu bauen für einen 3-Tagelohn von umgerechnet noch nicht einmal 8 Euro

Eine Mutter bei der Heimarbeit, wie sie gerade Steckdosen zusammenbaut
Eine Mutter bei der Heimarbeit, wie sie gerade Steckdosen zusammenbaut

 Zweimal in der Woche unterstützen wir Sabine, die als Entwicklungshelferin hier arbeitet, beim Kinder-und Jugendtreff im Stadtrandviertel „Imperial“. Dieser findet jeden Dienstag und Donnerstag am Vor- bzw. Nachmittag statt. Hier singen, spielen, basteln wir zusammen.

 

Jede Woche versuchen wir etwas anderes, Interessantes mit den Kindern zu machen, woran sie Spaß haben und was ihnen eine Abwechslung zu ihrem oft eintönigen Alltag, dem Leben auf der Straße bietet. Mal sind es 10 Kinder, mal sind es 30 Kinder.

 

Auffällig ist vor allem auch die Unterschiedlichkeit der Kinder und Jugendlichen. Da ist auf der einen Seite das 12-Jährige Mädchen, das für ihr Alter bereits unglaublich weit entwickelt ist, weil sie bereits früh Mitverantwortung für die Geschwister und die Familie übernehmen muss, und auf der anderen Seite die 20- Jährige junge Frau die sich wie verrückt über den Bingo Sieg freut und begeistert Kinderlieder „mitschmettert“, als sei sie selbst gerade erst 10 Jahre alt. In solchen Momenten wird deutlich, dass viele von Ihnen das gleiche nicht haben bzw. hatten – eine unbeschwerte Kindheit.

 

Und gerade deshalb ist dieser Kinder- und Jugendtreff so wichtig, denn in diesen 1 ½ Stunden an zwei Tagen der Woche, können und sollen alle ein wenig unbeschwert lachen und spielen & vielleicht auch ein Stückweit die eigene Kindheit „nachholen“.


Suppenküche

 

           

 

Dienstag 11:30 Uhr, mit unserem VW- Bulli   (Baujahr 1983 ) halten wir vor dem Sozialzentrum im Stadtrandviertel Bonsucesso. Lange vor der Zeit warten bereits viele, um zu den ersten zu gehören. Sie alle haben Hunger und freuen sich auf    eine warme Mahlzeit.  Einmal in der Woche

teilen wir hier Essen aus. Geplant ist, täglich ein warmes Mittagessen anzubieten. Noch reichen die Mittel dazu nicht.  Ihr stellt euch sicher eine deutsche Suppenküche vor, wo die Leute kommen und in einem Raum an Tischen sitzen und zusammen essen. Bei uns ist es anders. Die Leute bringen ihren Behälter (Schüsseln, Töpfe, Blastikbehälter – sauber oder nicht ) mit und tragen die Suppe darin nach Hause. Da die Menschen aus den verschiedensten Stadtvierteln kommen, ist selbst das Heimbringen der Suppe zu Fuß eine Anstrengung. Unsere Suppenküche ist noch ein „Provisorium“ , daher besteht noch nicht die Möglichkeit, vor Ort zu essen.


  Nicht zu vergessen...

 

Schw. Maria Ludwigis

Über viele Jahre hat sich Schwester Maria Ludwigis im Namen der Schwestern von SMMP um die Nöte und Sorgen der Menschen in Leme gekümmert. Sie kommt gebürtig aus Deutschland, lebt nun bereits seit 1958 in Leme und ist 90 Jahre alt. Zu Beginn wurde die Kindertagesstätte von ihr geleitet. Somit hatte sie einen dichten Kontakt zu den Familien.  Nachdem sie die Leitung abgegeben hatte, widmete sie sich ganz den Menschen am Stadtrand. 

Sie arbeitet in einem kleinen Büro. Dort besuchen sie an drei Tagen der Woche ca. 60/70 Personen zu den Öffnungszeiten. Schon vor 7:00 Uhr am frühen Morgen sitzen die ersten auf der Straße und warten. Die einen kommen mit dem Fahrrad, andere haben bereits einen einstündigen Fußweg hinter sich, denn sie alle wohnen am Stadtrand. Aber sie wollen zu den ersten gehören.

Geduldig nimmt sie sich den Sorgen der Menschen an, hört ihnen zu und versucht so gut es geht zu helfen.

 

Im Moment steht sie vor einer Herausforderung. Durch die schlechte Lebenssituation vor Ort, benötigen viele Menschen Hilfe. Da kaum Arbeit vorhanden ist, fehlt vielen das Geld, um ihre Familie zu versorgen. Folge: Geld für Miete, Wasser, Strom, Lebensmittel, Kleidung, Medikamente u.v.m. fehlt.

 

 

 

 

Starke Unterstützung bekommt sie seit  Januar 2016 durch die neue Provinzoberin, Schwester Aurora.     Sie hat die Soziale Arbeit quasi zur Chefsache gemacht . Seitdem haben sich unglaublich viele neue Aktionen rasant entwickelt, zum Beispiel wurde das Bildungs- und Ausbildungszentrum Bonsusecco eröffnet.

Denn die Bildung und Ausbildung ist eines der Schwerpunkte unserer Sozialen Arbeit. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit wird fortgesetzt, nämlich unter dem Stichwort „Häuser statt Hütten“ menschenwürdigen Wohnraum zu schaffen. Und der dritte Schwerpunkt,

der handgreiflich ist, ist die direkte Nothilfe

- Denn der Hunger ist Heute da!

Unterstützt wird die Arbeit von SMMP und Spendern in Deutschland.